Beanspruchung und Belastung, Arbeit und Erholung
Selbst einfachste Tätigkeiten bestehen aus einer Vielzahl, ineinandergreifender Funktionsbereiche. Die persönliche Handhabung dieses dynamischen Funktions-Systems bestimmt unsere Leistungsfähigkeit und die daraus entstehende Belastung. Personenabhängige und personenunabhängige Voraussetzungen müssen dabei in der Kette Belastung, Ermüdung, Leistungseinbuse, Erkrankung berücksichtigt werden.
Verlässliche Korrelationen für eine objektive Arbeitsplatzbewertung und Beanspruchung des Einzelnen gibt es lt. jüngsten Veröffentlichungen (Luczak H.´87, ´93; Franke J. ´98) nicht. Das beste Messgerät sind die eigenen Sinne. Der beste Leistungsindikator ist die Geläufigkeit und Flexibilität der erforderlichen Funktionsgefüge. Sich für diese Indikatoren zu sensibilisieren sowie die gesundheitsfördernden Faktoren durch Schulung zu verstärken schafft Gesundhiet und Leistungsfähigkeit. Beanspruchung muss so nicht zur Belastung, Belastung nicht zur Überlastung führen. (Lit. s. Franke J, Kühlmann T.M., Sonntag K.)
Stillen und doch berufstätig sein? Tipps für den Berufsalltag
Stillen ist wichtig für die Gesundheit des Kindes, nicht gestillte Kinder neigen eher zu Magen-Darm-Erkrankungen auch noch im Erwachsenenalter. Sowohl Angestellte wie freiberuflich tätige Frauen wollen und können Stillen und Arbeiten miteinander verbinden. Frauen können simultan arbeiten oder, ganz modern ausgedrückt, ihnen fällt das Multitasking leichter.
Damit dies nicht zu energieraubend wird, hier einige Tipps von Frau zu Frau:
1. Milchmenge
Vorraussetzung um genügend Muttermilch bilden zu können ist die gute Verteilung von reichlich Flüssigkeit über den ganzen Tag. Auch Grießbrei u.ä. also Kohlenhydrathaltige Speisen fördern die Milchbildung (Sekt tut das weniger). Ein weiterer Faktor ist Ruhe - Entspannung, regelmäßige Ruhepausen - ohne grübeln etc. - sind ebenfalls sehr wichtig. Stress wird nicht immer bewusst erlebt, aber ein Rückgang oder eine zu geringe Milchmenge kann dadurch verursacht werden.
2. Abpumpen zu Hause
Durch den Stillvorgang wird der Milchspendereflex zunächst auf beiden Brüsten ausgelösten. Simultanpumpen ist eine Möglichkeit mit der gleichzeitige gestillt und abgepumt werden kann. Wird an der passiven Seite eine Pumpe angelegt, so bleibt dieser Reflex erhalten, die Muttermilch kann mit nur geringem Unterdruck aufgefangen werden. Nach dem 2. Lebensmonat, wenn das Stillen schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist, funktioniert das sehr gut. Sie werden erstaunt sein, wie viel Milch Sie auf der passiven Seite geradezu mühelos in einer geeigneten Flasche gleichzeitig auffangen können.
WICHTIG: die Auffangflaschen müssen absolut sauber sein d.h. auskochen und jeweils auf einem frischen Tuch ablaufen und austrocknen lassen; dann verschließen!
So geht's:
Erforderlich ist eine Handpumpe, die mit einer freistehenden Milchflasche verbunden ist und einhändiges Pumpen erlaubt. Ich hatte dazu eine Einhandmilchpumpe. Mit einer solchen Pumpe können Sie während jedes Stillvorganges mindestens eine Flasche füllen (ca. 120 ml ab dem 3. Lebensmonat), die sie im Kühlschrank in einem separaten Fach deponieren können.
WICHTIG: Muttermilch enthält bakterizide Substanzen, d.h. sie ist relativ stabil und kann daher kurzzeitig gelagert werden. Einfrieren ist ebenfalls möglich, wenn die Milch davor kurz vorgekühlt wurde. Empfehlenswert ist es, stets die Milchflaschen immer mit Datum und Uhrzeit zu versehen. So kann auch die mitbetreuende Person erkennen, welches die älteste und neueste Milch im Kühlschrank ist.
Wenn Sie das Abpumpen bei jedem Stillvorgang d.h. auch nachts, durchführen, haben Sie am Morgen, wenn Sie das Haus verlassen, mindestens zwei bis drei Flaschen im Kühlschrank, also genug für mindestens drei Mahlzeiten oder 10 bis 12 Stunden Abwesenheit. Diese können dann dem Rhythmus des Kindes bei Bedarf z.B. alle drei Stunden (möglichst nicht kürzer und auch keine nach der Uhr festgelegten Zeiten) gegeben werden. Die betreuende Person kann das Fläschchen unter dem Warmwasserstrahl auf etwa ca. 25 Grad erwärmen.
3. Abpumpen am Arbeitsplatz
Um die Milchbildung in Gang zu halten sollten Sie regelmäßig, meist alle 3-4 Stunden abpumpen, sonst gibt es leicht Milchstauprobleme. Für das Abpumpen sind etwa 10-Minuten Pause nötig, meist einmal am Vormittag und eventuell noch einmal am Nachmittag. Die abgepumpte Milch sollte immer gekühlt aufbewahrt werden. Falls kein Kühlschrank zur Verfügung steht, ist eine Camping-Kühlbox mit einigen Kühlakkus ausreichend. Insbesondere wenn der Nachhauseweg mehr als eine Stunde dauern kann sowie im Sommer muss die Milch immer gekühlt transportiert werden (Isolierbox oder -tasche). CAVE: Bakterien verdoppeln sich bei optimaler Temperatur alle 30 Minuten, Kühlung reduziert die Keimvermehrung enorm.
Nach jedem Pumpen muss das Pumpenset der Handpumpe ausgewaschen und mit kochendem Wasser überbrüht werden. Wenn diese Möglichkeit am Arbeitsplatz nicht besteht, sollten zwei Pumpen zur Verfügung stehen, die Sie dann zuhause sterilisieren.
4. Pausen gestalten!
Stillenden Müttern steht in Deutschland bereits seit 1919 eine Pausenzeit von 60 Minuten pro Arbeitstag zu. Dies kann nach Vereinbarung mit dem Arbeitgeber getrennt (z.B. zweimal 30 Minuten) oder im Block auch mit der offiziellen Mittagspause (also insgesamt 90 Minuten) genommen werden. Probieren Sie zunächst aus und entscheiden Sie, wie Sie diese Extrazeit am besten nutzen können. Auch eine Ruhepause sollte noch drin sein, denn nichts fördert sowohl Leistungsfähigkeit als auch Milchbildung mehr als Entspannung.
Besonders wichtig ist für stillende Frauen, dass sie Sonne tanken! Sie benötigen und verlieren durch Geburt und Stillzeit viel Calcium. Das Taxi für den Transport es Calciums an die richtige Stelle (Knochen, Zähne, Interzellularraum) ist das Vitamin D resp. Cholecalciferol. Also, nicht etwa nach Hause oder zum Einkaufen eilen oder die Zeit weiterhin in Räumen verbringen, sondern erstmal noch die blauen Frequenzen des Sonnenlichts auf sich einwirken lassen, das unterstützt biologische Rhythmen und damit alle Körperfunktionen.
An immer mehr Arbeitsstelle ist eine Babybetreuung eingerichtet (es gibt dazu gute Unterstützung für Unternehmen von www.KONZEPTe.de). Sollte das noch nicht der Fall sein könnten ggf. eine Betreuungspersonen (Vater, Großeltern oder Kindermädchen) mit dem Sprössling zur Pausenzeit an die Arbeitsstelle kommen; Sie essen gemeinsam und die am Arbeitsplatz abgepumpte Milch kann von der Betreuungsperson zusammen mit dem Kind mitgenommen werden.
Freiberuflich tätige Mütter sollte eine Ruhepause von mindestens 45 Minuten für sich einplanen. Das Burn out oder zumindest Haarausfall und Erschöpfung sind sonst vorprogrammiert. Zuallererst wird das durch einen Rückgang der Milchmenge erkennbar.
4. Co-sleeping
Schlafen Mutter und Kind gemeinsam in einem Bett, soll lt. amerikanischer Studien die Stillmöglichkeit sprich Milchmenge besonders fördern. Vorteile des Co-Sleepings für die berufstätige stillende Mutter sind:
> weniger Schlafunterbrechung für die Mutter (und den Vater) und dadurch
> weniger Stress und Erschöpfung,
> geringeres Risiko für Milchstau und Mastitis durch häufigeres nächtliches Stillen,
> problemlose genügend Milchmenge über längere Zeit,
> ruhigeres Kind durch Körperkontakt
> besseres Trinkverhalten des Kindes
> frühere Sprachentwicklung.
Der Hauptfaktor dabei ist jedoch, dass es Ihnen das Leben vereinfacht. Dazu gibt es sicher auch andere Möglichkeiten, nicht nur das Co-sleeping. Zudem könnte durch zu langes Co-Sleeping die Paarbeziehung leiden. Das Kind wird dadurch sicher nicht zu sehr verwöhnt, Ablösungsprozesse gelingen auch bei sehr nahen Beziehungen.
Schlussfolgerung
Stillen und Beruf sind grundsätzlich gut vereinbar. Nicht Fläschen und Pulvermilch, sondern das Stillen bringt für Frauen viele Vorteile, Flexibilität und Freiheit. Es gibt kaum eine berufliche Tätigkeit, die sich nicht mit dem Stillen vereinbaren lässt. Allerdings brauchen berufstätige stillende Mutter immer noch Selbstbewusstsein und Unterstützung, um der gesellschaftlichen Akzeptanz dafür nachzuhelfen.
Dr. Petra Forster, Dipl. Ernährungswissenschaftlerlin (3 Kinder)
Literaturempfehlung:
"Stillen, frühkindliche Ernährung und reproduktive Gesundheit", Deutscher Ärzte-Verlag
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Ebenso finden Sie dies und mehr Online unter www.familienhandbuch.de.